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Mitglieder im Fokus
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Drei Fragen an Katharina Klapdor Ben Salem, KJF, Leitung Deutscher Jugendfotopreis / Deutscher Multimediapreis
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Viele heute namhafte Fotografinnen und Fotografen haben als Jugendliche beim Deutschen Jugendfotopreis teilgenommen, darunter Wilfried Bauer, Ute Eskildsen, Wiebke Loeper, Rudi Meisel und Dirk Reinartz. Gibt es ein Archiv dieser Arbeiten und wie können Interessierte Einblick erhalten?
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»Ja, dieses Archiv gibt es. Zum einen archiviert das Deutsche Historische Museum in Berlin alle Einreichungen des Wettbewerbs seit 1961 bis heute, auch als Prints. Über diese Kooperation, das haptische Bewahren, sind wir mehr als glücklich. Über die Objektdatenbank des DHM sind die über 11.000 Bilder ebenfalls Online einsehbar. Auf unserer Website lässt sich das Archiv aktuell bis zum Jahr 2000 zurückverfolgen – wir arbeiten aber im Moment am Relaunch unserer Website – ab Mitte 2026 wird das gesamte Archiv auch Online endlich über die Website des Deutschen Jugendfotopreis selbst einsehbar sein. Wichtig ist mir dabei, auch nochmal zu betonen, dass dieses Archiv einen unermesslichen Wert hat, auch jenseits davon, dass es Einblicke in die ersten Arbeiten der späteren Profis bietet: Es zeigt über 60 Jahre Jugendkultur in Deutschland. Wer nachvollziehen möchte, wie junge Menschen hier aufwachsen, welche Themen sie in ihren Arbeiten verhandeln, was sie bewegt, was sie über sich sagen möchten, wird hier viele mögliche Antworten finden.«
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Können Sie kurz beschreiben, was sich in all den Jahrzehnten für Teilnehmende verändert hat und was nicht?
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»Das ist eine große Frage, die sich in wenigen Sätzen nicht leicht beantworten lässt. Die größte Veränderung ist sicherlich der Umstand, dass zum einen so viel fotografiert wird wie noch nie, zum anderen aber die Fragen, was Fotografie in der demokratischen Gesellschaft bedeutet, wie junge Menschen sie nutzen, welche Funktionen sie erfüllt, wohin sie sich als Kunstform entwickelt, wie das Verhältnis von Quantität und Qualität zueinander stehen, weiterhin verhandelt werden müssen und wir, grade als Vertreter:innen der jungen Fotografie, auch nicht müde werden dürfen, diese Verhandlungen einzufordern. Als weiterer Aspekt ist hier zentral, dass die Gruppe, die wir mit dem Wettbewerb erreichen wollen, auch demographisch immer kleiner wird, was dazu führt, dass die Stimmen junger Menschen gesellschaftlich immer weiter marginalisiert werden. Angesichts all der gegenwärtigen Krisen und Umbrüche, die genau diese Generation am deutlichsten betreffen und die ihre Leben prägen werden, halte ich es auch deshalb für unsere zentrale Aufgabe, die Bilder junger Menschen öffentlich sichtbar zu machen und ihren Perspektiven die größtmögliche Aufmerksamkeit zu bieten. U. a. deshalb wird die Ausstellung der Preisträger:innen unter meiner Leitung auch in öffentlichen Ausstellungshäusern gezeigt, über möglichst lange Zeiträume. «
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Bei der aktuellen Ausschreibung sind KI-generierte Bilder im offenen Wettbewerb zugelassen, nicht aber in der Kategorie Experimente. Warum?
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»Diese Entscheidung hat einen einfachen Grund: Im Gespräch mit unserer Jury zu der Frage, ob und wie und warum KI hat sich ergeben, dass in der Anwendung zum Jahresthema vielleicht das meiste Potential liegt. Mit „Ein Haus, Ein Boot, Ein Auto“ verhandeln wir in diesem Wettbewerbsjahrgang die Frage, wie junge Menschen in ihren Bildern über (materiellen) Wohlstand nachdenken. Was bietet ihnen Sicherheit, wovon träumen sie für ihre Zukunft? Wie sieht ihr „gutes“ Leben aus? Grade weil die gesellschaftliche Erzählung von „Wohlstand durch Leistung“ immer dünner wird, sind wir sehr gespannt darauf, welche Antworten junge Menschen auf diese Fragen haben und ob hier durch KI Bilder erzeugt werden können, die neue Antworten bieten. Aber auch hier ist ganz zentral, dass die Preise, die für KI-Erzeugte Bilder gewonnen werden können, Zusätze sind, d. h., dass die Anzahl der Preisgelder für nicht KI-generierte Bilder in der Kategorie „Jahresthema“ nicht zugunsten der KI-Erzeugten verringert wurden. Ich betrachte den Wettbewerb auch zu dieser Frage als work in progress – wir probieren aus, justieren in jeder Wettbewerbsrunde neu und haben damit die Möglichkeit, mit unseren Teilnehmer:innen gemeinsam zu entdecken und zu lernen.«
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