Deutscher Fotorat e.V.
Newsletter Januar 2026
Der 2021 gegründete Deutsche Fotorat ist der Dachverband der Fotografie in Deutschland und seit 2023 Mitglied im Deutschen Kulturrat. 47 Mitgliedsorganisationen setzen sich im Dachverband für das Medium Fotografie, die Fotokultur und die fotografische Berufspraxis ein.
Themen in diesem Newsletter
→ Neue Mitglieder im Deutschen Fotorat
→ Neue Arbeitsgruppe im Deutschen Fotorat
→ Vereinsnews & Neues aus den Arbeitsgruppen
→ Mitglieder im Fokus: Zentrum für Fotografie Essen
→ Aktuelles von unseren Mitgliedern
Neue Mitglieder im Deutschen Fotorat
Bundesarchiv und Hochschule Bielefeld

© Bundesarchiv/Matthias Stange
Der Deutsche Fotorat hat bei seiner Mitgliederversammlung am 22. November 2025 in Hamburg zwei neue korporative Mitglieder aufgenommen: Das Bundesarchiv, das zentrale Staatsarchiv der Bundesrepublik Deutschland, das neben 540 laufenden Kilometern Akten auch über 15 Millionen Fotos, Luftbilder und Plakate zu den wichtigsten politischen, wirtschaftlich-sozialen und kulturellen Ereignissen der deutschen Geschichte bewahrt und die Hochschule Bielefeld mit ihrer langen Tradition des Fotografie-Studiums. Herzlich willkommen!
Neue Arbeitsgruppe im Deutschen Fotorat
Fotografie und Wissenschaft

Im Deutschen Fotorat entsteht die neue Arbeitsgruppe Fotografie und Wissenschaft. Fotografie wird an deutschen Hochschulen und Universitäten in einer Vielzahl an Fächern und mit sehr unterschiedlichen methodischen und inhaltlichen Schwerpunkten beforscht und gelehrt. Dazu zählen etwa Kulturwissenschaft, Kunstgeschichte, Medienwissenschaft, Ethnologie, Soziologie und Geschichtswissenschaft. Um dieser institutionellen Zersplitterung entgegenzuwirken, versteht sich die AG Fotografie und Wissenschaft als ein zentraler Zusammenschluss, der die gemeinsame wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Fotografie in all ihren medialen und historischen Spielformen fördert. In einem ersten Schritt wird die Arbeitsgruppe ein Expertisenregister erstellen, Basis für eine stärkere überregionale und überinstitutionelle Vernetzung. Forschende können sich in dieser digitalen Plattform registrieren und sind über Schlagworte mit ihrer Expertise auffindbar. Die Erfassung erfolgt über ein Online-Formular. Initiatorinnen der AG sind Dr. Anja Schürmann (Kulturwissenschaftliches Institut Essen/KWI) und Dr. habil. Kathrin Yacavone (Philipps-Universität Marburg), beide DGPh-Mitglied.
Kontakt: wissenschaft@deutscher-fotorat.de
Aktuelles
Vereinsnews & Neues aus den Arbeitsgruppen

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KI-Podcast - Folge 11

Zum Jahresende zeigt sich eine massive Beschleunigung der generativen KI: Drei Jahre nach ChatGPT ist der Markt fragmentierter und professioneller geworden. Im Bildbereich setzt sich das chinesische Modell Seedream 4.5 gegen Googles Nano Banana Pro durch, vor allem durch höhere Prompt-Treue und bessere Eignung für professionelle Workflows, während Detailverliebtheit allein nicht mehr reicht. Mit Flux 2 und Z-Image versuchen zwei Open Source Modelle dazu aufzuschließen. Bei Video-KI eskaliert der Wettbewerb mit neuen Editing-, Audio- und Cameo-Funktionen, wobei Google (Veo) aktuell vorne liegt, die chinesische Modellen von Kling (O1 und 2.6) aber mit weniger Zensur aufholen. Runway veröffentlich Gen 4.5. Parallel verschieben sich die Grundfragen: Urheberrecht, Regulierung, journalistisches Vertrauen und kulturelles Erbe werden zur eigentlichen Frontlinie – nicht die nächste Modellversion.

Veröffentlicht am 17.12.2025
Zum Beitrag
POLITIK
Deutscher Fotorat im Dialog mit dem Justizministerium zu geplanter Strafbarkeit bildbasierter sexualisierter Gewalt

KI-Bild zur Illustration. Zur Abwechslung mal eine Fotografin, die einen männlichen Jogger fotografiert. | © Nano Banana Pro / Julia Laatsch
Der Deutsche Fotorat hatte sich in einem Schreiben an das Bundesministerium der Justiz (BMJ) zu den geplanten Regelungen gegen bildbasierte sexualisierte Gewalt geäußert und Ende 2025 eine Antwort erhalten. Die Regierungskoalition hat im Koalitionsvertrag vereinbart, Strafbarkeitslücken bei bildbasierter sexualisierter Gewalt – insbesondere auch bei sexualisierten Deepfakes – zu schließen. Das BMJ bestätigt, dass es derzeit die Umsetzung dieses Auftrags prüft und dabei ausdrücklich auch voyeuristische Bildaufnahmen in den Blick nimmt, die bereits heute teilweise strafbar sind.​
Der Deutsche Fotorat hatte seine Sorge darüber zum Ausdruck gebracht, dass eine weitere Kriminalisierung von Bildaufnahmen die berufliche und künstlerische Tätigkeit von Fotografinnen und Fotografen im öffentlichen Raum erheblich beeinträchtigen könnte.
Das BMJ signalisiert, den Deutschen Fotorat in den weiteren Prüf- und Gesetzgebungsprozess einzubeziehen; der Fotorat bekräftigt seinerseits seine Bereitschaft, sich konstruktiv einzubringen, etwa im Rahmen von Verbändeanhörungen.
Aus Sicht des Deutschen Fotorats ist eine klare Abgrenzung zwischen strafwürdiger bildbasierter Gewalt und sozialadäquater, journalistischer und künstlerischer Fotografie notwendig. Eine eigens für das Thema gegründete Ad-hoc-Arbeitsgruppe im Deutschen Fotorat sammelt bereits Praxisbeispiele und rechtliche Problemkonstellationen im Umgang mit Fotografie im öffentlichen Raum, um diese in künftige Stellungnahmen einfließen zu lassen.
Mitglieder im Fokus
Drei Fragen an Prof. Dr. Steffen Siegel, Zentrum für Fotografie Essen

Workshop vom Zentrum für Fotografie Essen auf der Zeche Zollverein im Februar 2025. Er diente Fachleuten, die sich mit fotografischen Vor- und Nachlässen beschäftigen, zum Erfahrungsaustausch. | © Anna Gripp
Die Folkwang Universität der Künste, das Historische Archiv Krupp, das Museums Folkwang und die Stiftung Ruhr Museum bilden seit 2021 das Zentrum für Fotografie Essen. Warum war es wichtig, sich zusammenzuschließen?
»Ich würde gerne auf diese Frage antworten, indem ich sie etwas unhöflich umformuliere: Warum war sie uns wichtig? Denn genau auf dieses ‚uns‘ kam es bei diesem Zusammenschluss an. Alle vier genannten Institutionen haben schon lange in der einen oder anderen Form zusammengearbeitet, zum Beispiel bei Ausstellungen, öffentlichen Veranstaltungen oder auch Seminaren. Die Gründung eines wirklichen Verbundes, zu dem alle vier Häuser beitragen, stellte diese Kooperationen nun aber auf eine feste gemeinsame Basis – und macht es seither möglich, wichtige Weichen für die Sache der Fotografie zu stellen. Dazu gehören die Aufnahme wichtiger fotografischer Archive wie jene von Michael Schmidt, oder erst jüngst, von Timm Rautert. Das wiederum setzt eine Infrastruktur – personelle, räumliche, finanzielle etc. – voraus, die wir nun gemeinsam noch viel besser ausbauen können. Durch das große Engagement der Stadt Essen sind auf diese Weise in den zurückliegenden Jahren sowohl mit Blick auf die archivarische und kuratorische als auch die restauratorisch-konservatorische Arbeit mit der Fotografie ganz entscheidende weitere Schritte gegangen worden. Übrigens macht es aber vor allem große Freude, aus verschiedenen Perspektiven, wie sie unsere Institutionen von alleine mit sich bringen, gemeinsam auf dieselbe Sache zu blicken.«
Nach dem Symposium zu fotografischen Vor- und Nachlässen Anfang 2025 und den Diskussionen um ein bundesdeutsches Fotoinstitut in Essen ist das nächste Symposium international ausgerichtet und blickt mit dem Thema "What Will Photography Be? An Invitation to Speculate“ in die Zukunft. Wie kam es zu dieser Erweiterung?
»Bereits das erwähnte Symposium des Jahres 2025 haben wir nicht allein mit Blick auf die Frage der Gründung eines Bundesinstituts für Fotografie veranstaltet. Vielmehr haben wir ganz grundsätzlich dazu beitragen wollen, einen echten Erfahrungsaustausch zwischen all jenen zu ermöglichen, die sich in Institutionen oder auch individuell für Fotografie engagieren. Die mehr als große Resonanz, die diese beiden Tage in der Fachwelt, aber auch bei der interessierten Öffentlichkeit gefunden hat, bestärkt uns darin, hieran auch künftig anzuknüpfen. Das bald schon stattfindende Symposium dieses Jahres wiederum stellt eine Frage, der wir uns – im nicht mehr ganz neuen Zeitalter der KI – wohl ganz einfach stellen müssen: Wie wird unser Gebrauch und Verständnis von Fotografie davon beeinflusst? Und überhaupt: Wo geht die Reise hin? Der Untertitel der Tagung heißt programmatisch: „Eine Einladung zum Spekulieren“, das kann man ja nicht nur in haltloser, sondern auch in informierter Weise tun, und gerade diese zweite Option wollen wir im Februar ergreifen. Auch künftig sollen solche Symposien in dieser Breite von Themen stehen, es ist uns damit ein Anliegen, das ohnehin sehr vielschichtige Medium der Fotografie auch entsprechend vielseitig zu befragen.«
Welche weiteren Pläne hat das Zentrum für Fotografie Essen, welche inhaltlichen Schwerpunkte sollen gesetzt werden?
»Einerseits wollen wir jene Formate, die wir nun angestoßen haben, weiter ausbauen und pflegen: also zum Beispiel die Reihe der Essener Symposien zur Fotografie oder unsere Gesprächsreihe „seeing by ear“, die man über die verschiedenen Podcast-Plattformen und natürlich auch auf unserer Website finden kann. Andererseits wollen wir die Stärke der Essener Sammlungen noch intensiver für die Lehre an der Folkwang Universität der Künste nutzen, also für die Studierenden der Studiengänge zur fotografischen Praxis sowie zur Theorie und Geschichte der Fotografie spezielle Seminare anbieten. Im kommenden Sommersemester zum Beispiel zum Archiv Michael Schmidt, das sich ja nun im Museum Folkwang befindet. Sodann aber ist es uns ein Anliegen, durch gezielt eingeworbene Drittmittel die Zusammenarbeit zwischen den Häusern zu stärken und damit die öffentliche Wahrnehmung und Wertschätzung der Fotografie weiter zu stärken. Einen sehr guten Anfang hat 2025 das Ruhr Museum gemacht durch die Einwerbung eines durch das Land Nordrhein-Westfalen geförderten Forschungsvolontariats, das die Rolle von Christine Boeckmann und der Galerie im Riek für die Frühzeit des Fotokunstmarktes erstmals erforschen wird. Dies wiederum geschieht in enger Zusammenarbeit mit der Abteilung für Theorie und Geschichte der Fotografie an der Folkwang Universität der Künste.«
News & Termine
Aktuelles von unseren Mitgliedern

Umfrage zu Einkommen auf ausländischen Plattformen

Allianz deutscher Designer
Die Allianz deutscher Designer (AGD) hat eine Umfrage erstellt zu den Einkommen, die selbstständige Künstler:innen und Publizist:innen auf ausländischen Plattformen erzielen. Die gewonnenen Daten, Fakten und Erkenntnisse sollen das Ministerium und die KSK bei der Umsetzung des Auftrags aus dem Koalitionsvertrag unterstützen, die digitale Verwertung von künstlerischen Werken in die Künstlersozialabgabe einzubeziehen. Um Teilnahme bis zum 31. Januar 2026 wird gebeten.

Ausstellung Arno Schidlowski

Alfred Ehrhardt Stiftung

Seit 10. Januar 2026 zeigt die Alfred Ehrhardt Stiftung
 in Berlin eine intensive Auseinandersetzung mit der Natur. Der Fotograf Arno Schidlowski setzt sich in den Werkserien "Jasmund" und "Der Sonne Mond" den Landschaften aus, reagiert auf sie, findet in ihnen seine Position. Zum Rahmenprogramm gehört ein Gespräch des Fotografen mit Prof. Ute Mahler am Sonntag, 1. Februar 2026, 14 Uhr.
© Arno Schidlowski, aus "Der Sonne Mond"

Akademischer Eröffnungsabend

Bildarchiv Foto Marburg (DDK)
Nach dem Umzug im Herbst 2025 feiert das Deutsche Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg (DDK) seine neue Wirkungsstätte am Pilgrimstein 14 in Marburg mit einem akademischen Eröffnungsabend am 23. Januar 2026. Ab 16 Uhr gibt es Festbeiträge von Matthias Noell (Professor für Architekturgeschichte und Architekturtheorie, UdK Berlin), Florian Ebner (Leiter des Cabinet de la Photographie, Centre Pompidou, Paris) und Susanne Hefti (Professorin und Leiterin Lehr- und Forschungsgebiet Künstlerische Methoden, RWTH Aachen).
© Bildarchiv Foto Marburg

OLG-Urteil im Fall LAION

VG Bild-Kunst
Datensammlung für KI-Training: Im Verfahren des Fotografen Robert Kneschke gegen LAION hat das Hanseatische Oberlandesgericht (OLG) in der Berufungsinstanz die Position der Rechteinhaber*innen durch seine Entscheidung geschwächt. Politischer Handlungsbedarf ist nun offensichtlich. Dr. Urban Pappi schreibt dazu in einer Pressemitteilung der VG Bild-Kunst.

Artist Meets Archive #5 Open Call

Photoszene Köln
2026/27 richtet die Internationale Photoszene Köln zum fünften Mal ihr Residenz- und Ausstellungsprogramm Artist Meets Archive aus. Gemeinsam mit Archiven und Sammlungen werden Künstler:innen eingeladen, in fotografische Bestände, Geschichten und Diskurse einzutauchen und eigene Projekte zu entwickeln. Beteiligt sind dieses Mal das Deutsche Tanzarchiv Köln, das Archiv der Fotowerkstätte Schmölz, das Greven Archiv Digital sowie der FrauenMediaTurm Köln und das LVR-Landesmuseum Bonn. Eine Bewerbung ist bis zum 5. Februar 2026 möglich.
Impressum

Vorstand des Deutschen Fotorats:
Anna Gripp (DGPh) & Julia Laatsch (FREELENS)
Stellvertreter: Christian Klant (BFF), Ingo Taubhorn (DFA)

Deutscher Fotorat e.V.
Vereinsregister: VR 25821
Registergericht: Amtsgericht Hamburg

c/o FREELENS e.V.
Alter Steinweg 15
20459 Hamburg
Deutschland

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