|
Mitglieder im Fokus
|
|
Drei Fragen an Prof. Dr. Steffen Siegel, Zentrum für Fotografie Essen
|
|
|
|
|
|
Workshop vom Zentrum für Fotografie Essen auf der Zeche Zollverein im Februar 2025. Er diente Fachleuten, die sich mit fotografischen Vor- und Nachlässen beschäftigen, zum Erfahrungsaustausch. | © Anna Gripp
|
|
|
Die Folkwang Universität der Künste, das Historische Archiv Krupp, das Museums Folkwang und die Stiftung Ruhr Museum bilden seit 2021 das Zentrum für Fotografie Essen. Warum war es wichtig, sich zusammenzuschließen?
|
|
»Ich würde gerne auf diese Frage antworten, indem ich sie etwas unhöflich umformuliere: Warum war sie uns wichtig? Denn genau auf dieses ‚uns‘ kam es bei diesem Zusammenschluss an. Alle vier genannten Institutionen haben schon lange in der einen oder anderen Form zusammengearbeitet, zum Beispiel bei Ausstellungen, öffentlichen Veranstaltungen oder auch Seminaren. Die Gründung eines wirklichen Verbundes, zu dem alle vier Häuser beitragen, stellte diese Kooperationen nun aber auf eine feste gemeinsame Basis – und macht es seither möglich, wichtige Weichen für die Sache der Fotografie zu stellen. Dazu gehören die Aufnahme wichtiger fotografischer Archive wie jene von Michael Schmidt, oder erst jüngst, von Timm Rautert. Das wiederum setzt eine Infrastruktur – personelle, räumliche, finanzielle etc. – voraus, die wir nun gemeinsam noch viel besser ausbauen können. Durch das große Engagement der Stadt Essen sind auf diese Weise in den zurückliegenden Jahren sowohl mit Blick auf die archivarische und kuratorische als auch die restauratorisch-konservatorische Arbeit mit der Fotografie ganz entscheidende weitere Schritte gegangen worden. Übrigens macht es aber vor allem große Freude, aus verschiedenen Perspektiven, wie sie unsere Institutionen von alleine mit sich bringen, gemeinsam auf dieselbe Sache zu blicken.«
|
|
Nach dem Symposium zu fotografischen Vor- und Nachlässen Anfang 2025 und den Diskussionen um ein bundesdeutsches Fotoinstitut in Essen ist das nächste Symposium international ausgerichtet und blickt mit dem Thema "What Will Photography Be? An Invitation to Speculate“ in die Zukunft. Wie kam es zu dieser Erweiterung?
|
|
»Bereits das erwähnte Symposium des Jahres 2025 haben wir nicht allein mit Blick auf die Frage der Gründung eines Bundesinstituts für Fotografie veranstaltet. Vielmehr haben wir ganz grundsätzlich dazu beitragen wollen, einen echten Erfahrungsaustausch zwischen all jenen zu ermöglichen, die sich in Institutionen oder auch individuell für Fotografie engagieren. Die mehr als große Resonanz, die diese beiden Tage in der Fachwelt, aber auch bei der interessierten Öffentlichkeit gefunden hat, bestärkt uns darin, hieran auch künftig anzuknüpfen. Das bald schon stattfindende Symposium dieses Jahres wiederum stellt eine Frage, der wir uns – im nicht mehr ganz neuen Zeitalter der KI – wohl ganz einfach stellen müssen: Wie wird unser Gebrauch und Verständnis von Fotografie davon beeinflusst? Und überhaupt: Wo geht die Reise hin? Der Untertitel der Tagung heißt programmatisch: „Eine Einladung zum Spekulieren“, das kann man ja nicht nur in haltloser, sondern auch in informierter Weise tun, und gerade diese zweite Option wollen wir im Februar ergreifen. Auch künftig sollen solche Symposien in dieser Breite von Themen stehen, es ist uns damit ein Anliegen, das ohnehin sehr vielschichtige Medium der Fotografie auch entsprechend vielseitig zu befragen.«
|
|
Welche weiteren Pläne hat das Zentrum für Fotografie Essen, welche inhaltlichen Schwerpunkte sollen gesetzt werden?
|
»Einerseits wollen wir jene Formate, die wir nun angestoßen haben, weiter ausbauen und pflegen: also zum Beispiel die Reihe der Essener Symposien zur Fotografie oder unsere Gesprächsreihe „seeing by ear“, die man über die verschiedenen Podcast-Plattformen und natürlich auch auf unserer Website finden kann. Andererseits wollen wir die Stärke der Essener Sammlungen noch intensiver für die Lehre an der Folkwang Universität der Künste nutzen, also für die Studierenden der Studiengänge zur fotografischen Praxis sowie zur Theorie und Geschichte der Fotografie spezielle Seminare anbieten. Im kommenden Sommersemester zum Beispiel zum Archiv Michael Schmidt, das sich ja nun im Museum Folkwang befindet. Sodann aber ist es uns ein Anliegen, durch gezielt eingeworbene Drittmittel die Zusammenarbeit zwischen den Häusern zu stärken und damit die öffentliche Wahrnehmung und Wertschätzung der Fotografie weiter zu stärken. Einen sehr guten Anfang hat 2025 das Ruhr Museum gemacht durch die Einwerbung eines durch das Land Nordrhein-Westfalen geförderten Forschungsvolontariats, das die Rolle von Christine Boeckmann und der Galerie im Riek für die Frühzeit des Fotokunstmarktes erstmals erforschen wird. Dies wiederum geschieht in enger Zusammenarbeit mit der Abteilung für Theorie und Geschichte der Fotografie an der Folkwang Universität der Künste.«
|
|
|
|